Walter Gürtler zum 90. Geburtstag und zum 09. Todestag 2021

Diese Jubiläumsschrift ...

 

... ist weder Ausstellungskatalog noch Ausstellungsführer. Vielmehr vermittelt die Schrift zum 90. Geburtstag und zum 9. Todestag von Walter Gürtler Einblick in das Schaffen des Bildhauers in Bezug auf

«la femme qui reviendra, la femme parfaite». War diese Frau eine seiner

 

Modelle – Freundinnen – Geliebten – Femmes?

 

Eine der Frauen, die ihn über viele Wegstrecken seines Künstlerlebens begleitet, ihm als Muse inspirierend dienend, liebend, zur Seite gestanden hat? Ja, Walter Gürtler schätzte Frauen: hübsche, elegante, freundliche, intelligente, musisch begabte, begnadete, aber nie allzu stolze, eitle, selbstsüchtige und überhebliche «Weiber».
In jungen Jahren und bis 1969 zeichnete, malte und skulptierte er Frauen in verschiedenen Techniken. Er behaute Stein, modellierte Ton, Gips und bearbeitete Holz. Die Begabung zeigte sich in seiner sicher gezogenen Strichführung, bei geraden Linien wie bei Rundungen von Körpern. Er beherrschte das dreidimensionale Zeichnen und Malen ebenso wie das Skulptieren und das abstrakte Darstellen von Personen. An der Kunstgewerbeschule Basel lernte er das «akademische» Aktzeichnen. Sobald er hingegen eine Frau aus seiner künstlerischen Perspektive sehen, oder sie in der Liebe erleben und fühlen konnte, vermochte er sie, Modell oder Geliebte, befreit und blitzesschnell zu skizzieren. So entstanden von 1959 - 1962 viele von Walter Gürtlers Aktbildern und Frauenskulpturen. Nach der Trennung von Julie Margrit Gürtler 1969 und dem Bildhauersymposion von 1970 im ehemaligen KZ Mauthausen wendete «Walthari» – so nannte er sich ab 1975 bis 2007 in der SRF Gruppe als Künstler – beim Skulptieren strengere geometrische Ausdrucksweisen an.
An der Weihnachtsausstellung 1966 lernten mein Mann und ich Walter Gürtler beim Kauf der Skulptur «Tänzerin» kennen.
Daraus entstand eine 46 Jahre dauernde Freundschaft zwischen ihm und meiner Familie. Am 03.11.2011 schenkte er mir «Der herzensgute Mensch», das letzte Motiv seiner Skulpturen.

 

Jeanne Schneeberger                                         Goldbach, den 15.Juli 2021